Der Pendler

Schon bald hatte Anne unter den Profilen auf dem Portal eines gefunden, das sie ansprach. Zudem wohnte er, laut seiner Angaben, auch ganz in der Nähe.
Sie schrieb ihn an und wenig später hatte sie schon eine Antwort die ihren Erwartungen entsprach. Er war eloquent, Das Bild, das er auf dem Portal eingestellt hatte, zeigte einen dunkelhaarigen Mann mit markanten Gesichtszügen und einer durchtrainierten Figur. Ob das natürlich alles so stimmte? Anne wusste selbst, dass ‚Mann‘ sich immer gerne im besten Licht präsentierte. Sie machte es ja genauso, hatte unter ihren  Bildern die wenigen herausgesucht, die a) nicht zu alt waren und b) sie so zeigten wie sie sich mochte. Der Kuschelbär war auf den Bildern ja auch schlanker gewesen.
Es entwickelte sich ein reger Austausch – Anne wollte daraus ja keine Brieffreundschaft machen- um dann ein erstes, unverbindliches Treffen zu arrangieren. Sie hatten sich darauf geeinigt sich ein einem Schnellrestaurant nahe der Autobahn zu treffen. Er wollte auf dem Weg nach Hause hier einen kleinen Zwischenstopp einlegen. „Ich fahre am Wochenende immer nach Hause, bin unter der Woche in meiner Zweitwohnung. Und für ein erstes Kennenlernen wäre der Zeitpunkt doch ideal.“
Nun, warum nicht? Das wäre eine gute Gelegenheit ihn kennenzulernen. Auch wenn es direkt in ihrer Heimatstadt über die Bühne gehen sollte- eine Ausrede, für den Fall dass ein Bekannter sie sehen sollte, wäre schnell gefunden. Aber über diese Brücke würde sie gehen wenn es erforderlich war.

Der nächste Freitag kam schnell und Anne machte sich auf den Weg in das Lokal zum goldenen M. Er hatte ihr sein Auto beschrieben und kaum bog sie auf den Parkplatz ein, sah sie ihn auch schon. Der knallgelbe SUV war kaum zu übersehen. ‚Na, hoffentlich ist der Kerl nicht so ein Paradiesvogel wie es sein fahrbarer Untersatz vermuten lässt.‘ dachte Anne bei sich als sie den nächstgelegenen freien Parkplatz ansteuerte. Ein schneller Blick in den Innenspiegel bestätigte ihr, dass Make Up und Frisur noch in Ordnung waren. Kaum hatte sie ihrer Wagentür abgeschlossen, öffnete sich auch an seinem Auto die Fahrertür. ’soviel zu Ehrlichkeit im Internet‘ dachte Anne als er auf sie zukam. Keine Ahnung mit welchem Maßband er seine Größe ausgemessen hatte, aber 1,80 war dann doch etwas übertrieben. Und auch den leichten Rettungsring um seine Hüften hatte er auf den Bildern wohl retuschiert. Aber sein gewinnendes Lächeln machte diese Makel dann doch wieder wett. ‚Schon so ein bischen ein Aufreißertyp‘ dachte Anne bei sich . Die Jeans schmiegten sich eng um seinen Hintern und das hellblaue Hemd unter der Lederjacke komplettierte den lässigen Look. Kurze schwarze Haare umrahmten ein markantes Gesicht. Annes Herz schlug schneller als sie auf ihn zuging. Wenn er nun auch sie ansprechend fand, könnte das was werden.

„Hallo, du musst Anne sein. Ich hab dich gleich von dem Foto wiedererkannt.“ Als ob sie sich schon ewig kennen würden nahm er sie in den Arm und küsste sie links und rechts auf die Wangen. Eigentlich ging ihr das ein wenig zu schnell, aber es blieb keine Zeit auf Abstand zu gehen da trat er schon einen Schritt zurück. „Wollen wir reingehen? Hier draußen ist es doch ein wenig zu ungemütlich und zu öffentlich. Ich möchte nicht von einem Kunden hier entdeckt werden.“
Sie hatte kaum Zeit zu reagieren da legte er ihr seine Hand auf den Rücken und dirigierte sie behutsam Richtung Schnellrestaurant. „Du hast es aber eilig. Hallo erst mal und schön dich kennen zulernen.“ Wie zufällig drehte sie sich zur Seite so dass seine Hand von ihrem Rücken glitt. Da sie nun auch das Gebäude betreten hatten, sah sie sich suchend nach einem Platz um, der ihnen die Möglichkeit eines ungezwungenen und ‚unbelauschten‘ Gesprächs geben würde. Da, in der Ecke erhob sich gerade ein anderes Paar und machte den Platz frei. Der Pendler, wie Anne ihn schon in Gedanken nannte, hatte wohl das Gleiche gesehen. „Schau mal da, das wäre ein idealer Platz für uns. Setz dich doch schon mal, ich hole uns einen Kaffee, ähh, wenn dir das Recht ist“ Er hatte gerade noch die Kurve bekommen. Anne stand so gar nicht darauf bevormundet zu werden. ‚Aber was soll’s‘ dachte sie bei sich als sie sich setzte. Mit dem Rücken zur Wand, den Gastraum im Blick sah sie ihm erwartungsvoll entgegen. Kurz darauf war er auch schon da, mit 2 großen Bechern Kaffee in der Hand.
„Ich wusste nicht, ob du Milch oder Zucker in deinem Kaffee willst, ich hab mal beides mitgebracht.“ Er nahm neben ihr Platz, so dass sie sich auch relativ leise würden unterhalten können.

„Schön dass du gekommen bist. Ich war schon ganz gespannt auf dich und ich muss sagen, du wirkst auf mich in der Realität noch besser als auf den Bildern. Ich hoffe mal, du bist mit mir auch zufrieden.“
„erst einmal danke für den Kaffee und Hallo. Du redest ja ohne Punkt und Komma. Bist du immer einer von der schnellen Truppe?“ sie lachte ihn verschmitzt an, hatte bewusst eine kleine Anspielung gemacht, die er, wie sie erkennen konnte, sehr wohl verstanden hatte. „Nein, nein…..normalerweise lasse ich mir bei vielen Dingen gerne viel Zeit, aber ich komme gerne schnell auf den Punkt“ gekonnt hatte er den verbalen Ball an sie zurückgespielt. Das ließ sich gut an.

Schnell entwickelte sich ein entspanntes Gespräch zwischen den beiden. Er war Service Techniker bei einer IT Firma und pendelte zwischen seinem Zweitwohnsitz am Wochenende immer nach Hause zu seiner Familie. Er hatte schon einige Dates über das Portal gehabt, jedoch war- laut seinen Aussagen- noch nicht die Richtige dabei gewesen. Er suchte eine längerfristige Affaire denn der Emailaustausch und das Kennenlernen hielt er für sehr aufwändig  und eigentlich ‚Zeitverschwendung‘ wenn beide doch nur „das Eine“ wollten. Anne hatte nicht vor, ihm auf die Nase zu binden dass auch sie nur was kurzfristiges suchte und keinesfalls eine langfristige Affaire anstrebte. Aber mit diesem Mann konnte sie sich vorstellen in’s Bett zu gehen. Während sie über ihre Erfahrungen auf dem Portal berichtete, merkte sie, wie er seine Hand auf ihren Oberschenkel legte und vorsichtig auf und ab streichelte. Dabei ‚rutschten‘ seine Finger immer weiter zwischen die Schenkel. So wie sie saßen, konnten die anderen Leute hier nicht sehen was sie machten. Anne überlegte sich nur kurz ob sie das zulassen sollte und dachte dann bei sich, dass das hier genau zu dem passte was sie wollte. Ein wenig anrüchig, riskant, und doch überaus erregend. Wie zufällig drehte sich sich ihm ein wenig zu und öffnete die Beine etwas weiter. Nur durch ein leichtes Heben der Augenbraue signalisierte er, dass er verstanden hatte, lehnte sich, auf einen Arm gebeugt etwas näher zu ihr und verstärkte seine Streicheleinheiten. Anne hatte einen Rock angezogen und der Pendler  beschränkte sich nun nicht nur darauf brav über den Rock zu streichen. Vorsichtig suchten sich seine Finger den Weg unter den Rock.
Annes Atem ging schneller als sie die Beine immer weiter spreizte und nun seinen Finger auf ihrem Slip spürte. Kein Mensch konnte sehen was sich hier unter dem Tisch so abspielte. „Nun, wie findest du das hier?“ Annes Stimme wurde um einige Nuancen tiefer, das Blut begann in ihren Ohren zu rauschen. „Nun, ich finde das überaus einladend und reizvoll. Bei nächster Gelegenheit würde ich mir das alles gerne näher ansehen.“ Und schon zog er seine Hand wieder zurück. „ich wollte nur mal sehen wie weit du mich gehen lässt und ob mich der Eindruck den ich von dir hatte mich nicht getäuscht hat. Du bist schon eine sehr ansprechende Frau die bestimmt im Bett auch einiges zu bieten hat. Wenn du Lust hast können wir für die nächste Zeit ein RICHTIGES Date vereinbaren. Du hast mich so richtig heiss gemacht“
Unvermittelt griff er nach ihrer Hand und legte sie zwischen seine Beine. Whoww…da war eine riesige Beule die überaus deutlich zeigte wie sehr er von ihr angetan war. Rasch zog Anne ihre Hand wieder zurück und legte sie auf den Tisch. Sie hatte die neugierigen Blicke der Leute am Nebentisch bemerkt und wollte nun doch hier kein Aufsehen erregen. Es reichte, dass sie erregt war. „Nun komm mal wieder runter, ich denke wir haben beide festgestellt, dass das durchaus was mit uns werden könnte. Trinken wir unseren Kaffee aus und gehen dann. Hier sind mir eindeutig auf einmal zu viele Augen und Ohren“ Anne richtete verstohlen ihren Rock, der noch immer recht weit auf ihren Schenkeln nach oben gerutscht war.
„Gib mir noch einige Minuten, im Augenblick kann ich noch nicht so gut aufstehen- du verstehst“ für ihn war es nicht ganz so leicht seine Erregung wieder in den Griff zu bekommen. Während er dann den letzten Schluck aus seinem Becher trank erhob er sich und half Anne galant in die Jacke. „Danke für einen schönen Zwischenstopp. War recht kurzweilig und ich verspreche dir unser nächstes Treffen wird auch alles andere als langweilig. Wenn ich meine Termine in der nächsten Zeit zugeteilt bekommen habe kann ich dir sagen wann sich bei mir eine Gelegenheit ergibt an der wir uns treffen können. Ich melde mich dann bei dir“

Niemand, der die beiden auf dem Parkplatz  stehen sah, hätte vermuten können, dass hier gerade die Vorbereitungen für ein Sexdate getroffen wurden.

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Der Pendler

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s